Vereinschronik

Anbei finden Sie unsere Vereinschronik. Diese wurde anlässlich der 100 Jahr Feier im Jahre 1997 von Fridolin Steiner, Hans Bohner und Siegfried Bertsch zusammengetragen. Hierbei sind sie allerdings auf Grenzen gestoßen. Grenzen, welche es unmöglich gemacht haben, einzelne Jahre, Mitgliederstand und wesentliche Ereignisse zu dokumentieren. Es fehlte eben an Aufzeichnungen.

Es ist deshalb eine Vereinschronik, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, aber:

– manches aus unserem Verein erzählt
– gewisse Erinnerungen wachruft
– und hoffentlich Ihr Interesse erweckt.

… und nun zur Vereinschronik

Erstmals wurde der Fischereiverein Schömberg-Balingen e.V. durch die Satzung des Flußfischereivereines Balingen vom 11. März 1897, sowie durch den Auszug aus dem damaligen Kassenbuch mit den ersten Vereinsbeiträgen vom Mai 1897 nachweislich belegt (siehe Bilder.)

 

1. Vorstand des Flussfischereivereins Balingen war Finanzamtmann Miller.10 Gründungsmitglieder haben im Mai 1897 den finanziellen Grundstock durch eine Bareinlage von je 10 Mark geschaffen. Es lässt sich nur erahnen, dass der Fabrikant G. Reiber vermögend und spendabel war, was seine Einlage von 50 Mark belegt.

Aus einer Drucksache des Württ. Landesfischereiverbandes von 1902 geht hervor, dass ein weiterer Vorstand Fr. Mebold hieß. Einzelheiten zum damaligen Flussfischereiverein sind aus einem Bericht an den Württ. Landesfischereiverein vom 3. Nov. 1903 ersichtlich.

Damals war ein weiterer Vorstand E. Jäckle und als Fischmeister Fr. Mebold eingetragen. Schriftführer und Kassier war Carl Friedrich Eisele. Zum ersten Mal sind als Fischgewässer Eyach und Steinach erwähnt. In ihnen wurden Aale und Weißfische gefangen. Diese Fische wurden teils von einer Fischzuchtanstalt bezogen. Die Aktivitäten des Vereines beschränkten sich damals auf das Anlegen von Quellwassern (Teiche/Anstauungen), in denen Bach- und Regenbogenforellen gehalten und aufgezogen wurden. Offensichtlich wurde dazu ein kalifornischer Brutapparat, der zum Vereinsvermögen zählte, verwendet.

Durch Mangel an Unterlagen und Informationen erlauben wir uns einen Sprung ins Jahr 1937 zu machen. Mit Datum vom 12.02.37 fanden wir folgenden Artikel aus einer Zeitung: „Alle Fischereiberechtigten haben sich zu melden.“

Aus diesem Artikel geht hervor, dass sämtliche Fischereiberechtigte, Pächter und Besitzer von Fischereigewässern sich zwecks karteimäßiger Erfassung melden müssen.

Ziel dieser Erfassung war offensichtlich, den damaligen Fischbestand staatlich zu erfassen, dass dieser mit der deutschen Ernährungsbewältigung miteinbezogen und berücksichtigt werden konnte. Dass dieser Aufruf ernst genommen wurde belegt folgender Schlusssatz: „Fischereiausübende oder Fischereiwasserbesitzer, die sich nicht in der angegeben Frist (11.03.1937) angemeldet haben, haben zukünftig an deutschen Gewässern nichts mehr zu suchen!“.

Am 30.10.1938 hielt der Fischereiverein Balingen eine außerordentliche Mitgliederversammlung im Gasthaus Lang ab. Die10 anwesenden Mitglieder beschlossen einstimmig, die bisherige Vereinssatzung aufzuheben und die neue Mustersatzung des Reichsverbandes deutscher Sportfischer anzunehmen und den Verein beim Amtsgericht Balingen eintragen zu lassen.

Vereinsvorstand war Sparkassendirektor Wilhelm Meier, als Schriftführer zeichnete Hugo Ruof verantwortlich. Entsprechend dem Beschluss wurde am 17.01.1939 der Fischereiverein beim Amtsgericht Balingen eingetragen und am 21.01.1939 im NS-Kurier „Der Wille“ und dem Regionalanzeiger veröffentlicht. Aus der Anmeldung ist als stellvertretender Vorstand Herr Dr. jur. Reinhold Herrmann, Rechtsanwalt aus Balingen ersichtlich.

Bis 1952 können wir nur aus einem Kassenbuch feststellen, dass die Vereinsaktivitäten nicht ruhten. Ausgaben durch Fischbesatz, Bewirtschaftung der Eyach und der Steinach konnten durch Einnahmen aus Mitgliederbeiträgen, Zinseinnahmen sowie aus einer größeren Zahlung durch das Portlandzementwerk beglichen werden.

Am 12.02.1952 schrieb der damalige 1. Vorstand des Fischereivereines Balingen Herr Dr. Herrmann an das Amtsgericht Balingen: „Auf die Anfrage vom 07.02.1952 teile ich mit, dass der Fischereiverein Balingen noch besteht und 8 Mitglieder zählt.“

Anzunehmen ist, dass die Vereinsführung während der Kriegsjahre aufrecht erhalten wurde. Dies ist aus einem Protokoll von 1953 ersichtlich.

Im Protokoll vom 30.03.53 sind folgende Personen aufgezählt:

Vorstand:
Herr Rechtsanwalt Dr. Herrmann

Kassier:
Herr Erwin Schäfer (gleichzeitig stellvertr. Vorstand)

Schriftführer:
Herr Hubert Ruof

Fischmeister:
Herr Adolf Eisele

Gewässerwart:
Herr Julius Eisele

Am 27.03.54 wird anlässlich einer Versteigerung der Stausee in Schömberg durch den Fischereiverein Balingen gepachtet. Vermutlich ist dies der erste schriftliche Pachtvertrag für unser heutiges größtes Fischgewässer.

Damals waren im Stausee Schömberg – so die Auskunft unserer ältesten Mitglieder – fast ausschließlich Döbel und Aale zu finden. Heute sind im Stausee eine Vielzahl von Fried- und Raubfischen. Hege- und Pflegemaßnahmen des Fischereivereines Schömberg-Balingen haben dies möglich gemacht.

Unmut geht aus einem Schreiben des Regierungspräsidiums Süd-Württemberg-Hohenzollern vom 02.06.1956 hervor, weil Angehörige der französischen Streitkräfte im Regierunsbezirk die Fischerei ausübten ohne Besitz eines gültigen Jahresfischereischeines zu sein. Die Fischereivereinsmitglieder wurden aufgefordert, diese Personen bei der Ausübung der Fischerei zu überprüfen und bei Verstößen zu melden!

Auch dies gehört zu den Raritäten, als die Vereinsführung zu einem Fischessen ins Gasthaus Lamm nach Schömberg einlud und gleichzeitig die Vereinsmitglieder bittet, die in den letzten Tagen gefangenen Fische (Karpfen) mitzubringen. So geschehen am 03.09.1958 durch Vorstand Herrmann.

Im Jahre 1961 wurden die beiden Heubergweiher in Balingen heute “Heubergseen“ zum ersten Mal gepachtet. Sie dienen heute als Aufzuchtweiher; es besteht ganzjährig Angelverbot.

Im Jahre 1962 erfolgte ein Zusammenschluss des Fischereivereines Balingen mit einer Interessengemeinschaft Schömberger Angelfreunde. Grund war die anstehende Neuverpachtung des Schömberger Stausees zum 01.01.1962. Aus dem Protokoll der Generalversammlung von 19.02.1962 gingen folgende Beschlüsse hervor:

– Folgende Mitglieder aus Schömberg wurden aufgenommen:

Herr Winfried Koch; Herr Fridolin Steiner; Herr Edwin Richter; Herr Hermann Richter; Herr Albrecht Koch; Herr Heinrich Ehrler; Herr Franz Schumacher

– Die Satzung wurde wie folgt geändert:

1. Die Mitgliederzahl wird auf 40 beschränkt.

2. Bürger von Schömberg sind vor anderen Bewerbern bevorzugt aufzunehmen, soweit die
Mitgliederzahl von 40 nicht überschritten wird.

3. Der Ausschuss setzt sich aus fünf Personen zusammen, Schömberger Mitglieder können zwei
Ausschussmitglieder stellen. Bei Aufnahme von Schömbergern entscheiden die Schömberger Mitglieder des Ausschusses alleine.

4. Die Schlichem auf Gemarkung Schömberg wird ausschließlich den Schömberger Mitgliedern vorbehalten.

5. Die Gaststätte „Waldschenke“ wurde zum Vereinslokal bestimmt.

6. Der Verein für den Namen Fischereiverein e.V. Schömberg-Balingen. Er hat einen Sitz in
Schömberg.

Aus dieser Versammlung ging Herr Dr. Lothar Bucher, Balingen als 1. Vorsitzender und Herr Winfried Koch, Schömberg, als 2. Vorsitzender hervor.

Dr. Reinhold Herrmann, Balingen, wurde zum 1. Ehrenvorsitzender des Vereines ernannt.

Der 1. Vorsitzende Dr. Bucher wurde 1968 durch Herrn Hans-Erich Lindner, Schömberg, abgelöst. Herr Hans-Erich Lindner übte dieses Amt bis 1973 aus.

1975 musste der Stausee nach einem verheerenden Hochwasser infolge mangelnder Standfestigkeit des Dammes abgelassen werden. Es dauerte 8 Jahre bis der Stausee nach umfangreichen Sanierungsarbeiten aufgestaut werden konnte und somit unserem Verein als Pachtgewässer wieder zu Verfügung stand.

Während dieser Zeit waren wir auf unsere Pachtgewässer, die Eyach in Balingen, Die Heubergseen sowie auf Teile der Schlichem Schömberg, Dautmergen und Leidringen angewiesen.

1970 – 1972 wurde unter Vorstand Hans-Erich Lindner der Ratshausener See angelegt.

Mussten zuerst ca. 20 Grundstücke erworben werden, verlangte das anschließende Genehmigungsverfahren über die Finanzierung bis hin zu den Schwierigkeiten des Bauens die volle Kraft des Ausschusses und der Vereinsmitglieder. Die Gesamtkosten von ca. DM 140.000 – lasteten neben der Vereinskasse auch auf unseren Mitgliedern durch zinslose Darlehen.

1973 übernahm Herr Walter List aus Balingen die Vorstandschaft. In seiner Amtsperiode wurde am 04.06.76 der Ratshausener See mit einem großen Fest eingeweiht. Nachdem im Jahr 1981 der Rohbau der Schutzhütte am Ratshausener See abgeschlossen wurde verstirbt Vorstand Walter List überraschend.

Die Leitung der Fertigstellung der Schutzhütte (Innenausbau, Wasserversorgung, WC-Anlagen), sowie die weiteren Amtsgeschäfte übernahm Herr Fridolin Steiner aus Schömberg. Die Schutzhütte am Ratshausener See erhält den Namen „Walter-List-Hütte“.

Herr Dr. Bucher wurde anläßlich der Generalversammlung im März 1990 zum Ehrenvorsitzenden ernannt.

Am 29.10.1983 konnte der 1. Vorsitzende Steiner für den Fischereiverein e.V. Schömberg-Balingen den Naturschutzpreis des VDSF (Verband Deutscher Sportfischer) entgegennehmen.

Herr Fridolin Steiner übte die Vorstandschaft bis 1988 aus.Aufgrund der teilweise fehlenden Chronik (siehe Vorbemerkung) wurde am 24.09.1983 in Schömberg das 35-jährige Vereinsjubiläum gefeiert.

Im Jahr 1989 übernahm Herr Harald Trettin aus Schömberg-Schörzingen die Vereinsführung. Bis zu seiner schweren Erkrankung 1993 gelang es ihm ausstehende Eigentumsverhältnisse am Ratshausener See zu klären und die Vereinsführung auf EDV zu übernehmen.

Ab 1993 ging die Vereinsführung an den Vorstand Adam Schneider aus Balingen. Unter seinem Vorsitz wurden alle Pachtverträge erneuert, die Gewässerrechtliche Erlaubnis für das vereinseigene Gewässer „Ratshausener See“ neu erteilt, zwei Naturschutzgebiete ausgewiesen und die Vereinssatzung neu erfasst.

Von 2002 bis 2014 ist Herr Josef Hermann aus Schömberg-Schörzingen der 1. Vorstand. Dieser legte im April 2014 sein Amt nieder.

Vorsitzender ist seit April 2014 der zweite Vorstand Karl- Heinz Seybold.

Heute zählt der Fischereiverein Schömberg-Balingen e.V. ca. 210 aktive Mitglieder. Die Jugendgruppe umfasst ca. 30 Jungfischer.

Die Vorstandschaft umfasst heute insgesamt 17 Mitglieder.

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